Projekt ALLMENDE 2.0 

Offenhaltung: Die derzeitige Situation

Das Offenland

Die Region Schönau als Beispiel 

Im Grundsatz gilt für die Projektkulisse: Die historischen Allmendweiden befinden sich heute im Eigentum der Gemeinden. Im Vergleich zu den Flächen im privaten Eigentum zeichnet sich das kommunale Grünland durch eine geringere Produktivität, höhere Geländeneigung und schwierige Erschließbarkeit mit Maschinen aus. Während das Privatgrünland vor allem in Nähe der Dorfzentren bzw. auf den flachen Bereichen vorzufinden ist, erstreckt sich das kommunale Grünland von den steilen Hängen bis zu den Bergkuppen. Von den rund 2.600 ha Offenland befinden sich rund 60 % im kommunalen Eigentum.  

Die Allmende

Wieso ist sie so schützenswert? 

Die Allmendweiden haben eine herausragende Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Weil die Flächen unproduktiv und schlecht zugänglich sind sowie nur selten gedüngt werden, haben sich hier besondere Lebensräume entwickelt. Charakteristische Pflanzenarten sind etwa die Echte Arnika (Arnica montana), das Gewöhnliche Katzenpfötchen (Antennaria dioica) oder der Grannen-Klappertopf (Rhinanthus glacialis). Auch Insekten und Vögel finden hier Lebensräume. Nicht nur von ästhetischer Bedeutung sind die jahrhundertealten Weidbuchen. Sie dienen den Weidetieren als Schutz vor Sonne und Regen und sind Lebensraum für Vögel, Insekten, Flechten und Moose.  

Die Weidetiere

Die eigentlichen Gestalter der  Landschaft

Ohne den Einsatz der Weidetiere (vornehmlich Rinder und Ziegen), wäre die Offenhaltung der Allmendweiden nicht möglich, da sie nicht nur krautige Pflanzen, sondern auch junge Bäume fressen. Schafe spielen eine geringere Rolle, kommen aber im Biosphärengebiet ebenso vor. Seit einigen Jahren kommt es vermehrt zum Einsatz ungewöhnlicher Weidetiere. Dies können Rotwild oder Damwild, aber auch Alpakas, Esel, Ponys oder Pferde sein. Die Besonderheit des Biosphärengebiets ist das Hinterwälder Rind. 

Landwirtschaft oder Landschaftspflege?

Kombination unterschiedlicher Leistungen

Während in anderen Regionen die Produktion von Fleisch und Milch im Mittelpunkt der Landwirtschaft steht, liegt der Fokus im Biosphärengebiet vor allem auf der Pflege der Fläche. Dabei liefert die artgerechte und naturnahe Haltung von Weidetieren exzellentes und hochwertiges Fleisch. Da die Tiere aber vergleichsweise viel Zeit brauchen, um ausreichende Schlachtgewichte zu erreichen, ist die Produktion geringer und kaum konkurrenzfähig. Daher sind die Betriebe auf staatliche Subventionen angewiesen. Viele Betriebe verstehen sich nicht als Landwirtinnen und Landwirte, sondern als Landschaftspflegerinnen und Landschaftspfleger. 

Zukünftig

Wer sind die Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter von morgen?

In Anbetracht der Vielzahl an Herausforderungen drängt sich die Frage auf, durch wen die Landschaft im Biosphärengebiet in Zukunft gepflegt wird. Auch die demografische Situation ergibt Anlass zur Sorge. Stand 2019 waren zwei Drittel aller Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter mindestens 50 Jahre alt, 28% sogar mindestens 60. Nicht in jeder Familie ist die Nachfolge gesichert. Wird es in Zukunft weniger Betriebe geben, muss die Last der Bewirtschaftung auf weniger Schultern verteilt werden. Hierbei unterstützend zu wirken, ist Aufgabe des Projekts.