Am Sonntag dürfte sich so mancher Spontanbesucher des Münsterplatzes kurz die Augen gerieben haben – Alpakas, mitten in der Freiburger Innenstadt? Diesen seltenen Anblick verdankt die Stadt dem Biosphärenfest, das erstmals in Freiburg gefeiert wurde. Bei strahlend schönem Herbstwetter strömten die Besucherinnen und Besucher in Scharen, um das Biosphärengebiet Schwarzwald in all seinen Facetten zu erleben.
Rund 40 Ausstellerinnen und Aussteller aus dem Biosphärengebiet präsentierten ihre Produkte und Angebote. Von Ziegenwurst und –käse über Kräuterprodukte, Alpaka-Vlies und Eselmilchseife bis zum Vesperbrett aus regionalem Holz wurde die Produktvielfalt des Südschwarzwalds deutlich. Zahlreiche Stände luden zum Mitmachen ein, zum Beispiel konnten Mineralien und Tiere bestimmt werden, beim Wettsägen war Kraft gefragt und beim Basteln und Kochen konnten vor allem Kinder ihr Geschick unter Beweis stellen.
Professionell wurde unterdessen auf der Bühne mit SWR1 Pfännle der Kochlöffel geschwungen. Regierungspräsident Carsten Gabbert unterstützte nach seiner Begrüßung Spitzenkoch Volker Hupfer vom Naturparkhotel „Der Waldfrieden“ beim Kürbis schneiden und Ziegenkäse panieren. „Freiburg ist das Tor zum Schwarzwald und damit auch zum Biosphärengebiet Schwarzwald. Die Idee der UNESCO-Modellregion besteht darin, ein zukunftsfähiges Miteinander von Mensch und Natur zu erproben. Das erleben die Besucherinnen und Besucher des Fests heute mitten in der Stadt und bekommen hoffentlich Lust, das Biosphärengebiet mit seinen spannenden Projekte näher kennenzulernen“, sagte Gabbert.
Auch Oberbürgermeister Martin Horn zeigte beim Schnippeln und Anrichten, dass er nicht zum ersten Mal kocht. „Ich freue mich sehr, dass das Biosphärenfest dieses Jahr in Freiburg stattfindet“, so Horn. „Wir haben uns bei der Gründung des Biosphärengebiets 2016 ganz bewusst dazu entschieden, nicht nur mit dem Naturschutzgebiet Schauinsland, sondern mit der gesamten Ortschaft Kappel und weiterem Wald am Schauinsland beizutreten.“ Kappel beinhalte alles, was auch das Biosphärengebiet Schwarzwald so besonders mache: das Nebeneinander von Wald und Wiese, Weide- und Wildtieren und auch Kultur, zum Beispiel die Bergbaugeschichte.
Schwerpunktthema beim Showkochen waren die Kulinarischen Aktionswochen des Biosphärengebiets. Durch die Hinterwälder und Zicklein Wochen werden Landwirtinnen und Landwirte mit Gastronomiebetrieben vernetzt, um sie bei der Vermarktung von Rindfleisch, Ziegenfleisch und Käse zu unterstützen. „Mit unseren Tieren betreiben wir Landschaftspflege“, erklärt Landwirtin Daniela Zimmermann. „Die Aktionswochen bedeuten für uns vor allem eine Wertschätzung unserer Arbeit.“ Sichtbar wurde die Bedeutung der Offenhaltung auch bei einer Exkursion auf den Schlossberg im Rahmen des Festprogramms.
Bei Expertengesprächen auf der Bühne ging es außerdem um die Probleme, die der Klimawandel auch in den Höhenlagen des Schwarzwalds verursacht. „In 50 Jahren werden die Quellen am Belchen in den Sommermonaten rund 20 Prozent und im Herbst sogar 25 Prozent weniger Wasser ausschütten als in den letzten 20 Jahren“, erklärt Hydrologe Professor Markus Weiler von der Universität Freiburg. Um dennoch die Wasserversorgung auf den Weiden zu sichern, sind umfangreiche Sanierungen nötig. Die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets hat dafür ein Konzept zur Erfassung und Sanierungsplanung von Quellen, Tränken und Leitungen erstellt.
Ein wichtiges Standbein für das Biosphärengebiet Schwarzwald ist außerdem die Bildung für nachhaltige Entwicklung. Geschäftsführer Walter Kemkes betonte: „Für ein nachhaltiges Miteinander ist es uns wichtig, Angebote für alle Menschen zu Themen wie Natur- und Artenschutz, Landschaftspflege, aber auch Geschichte und Kultur zu haben.“
Das Biosphärenfest findet jedes Jahr in einer anderen der 29 Gemeinden des Biosphärengebiets Schwarzwald statt. Im kommenden Jahr ist Zell im Wiesental anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums Festort.
Bild 1: Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, das Biosphärengebiet Schwarzwald mitten in der Stadt zu erleben.
Bild 2: Oberbürgermeister Martin Horn und Regierungspräsident Carsten Gabbert (von links) stellten ihre Kochfähigkeiten unter Beweis. Fotos: Christoph Eberle